Deutsch – Deutsches Museum Mödlareuth
Das Dorf Mödlareuth, oft als „Little Berlin“ bezeichnet, ist ein singulärer Ort der deutschen Teilung. Die erhaltenen Fragmente der Grenzanlage dokumentieren den radikalen politischen Einschnitt ebenso wie die menschliche Härte dieses historischen Bruchs. Die realisierte Erweiterung des Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth positioniert sich bewusst konträr zu dieser Vergangenheit: Nicht als Gegenüber, sondern als landschaftlich eingebundene, versöhnliche Setzung, die mit Ort und Topografie eine neue Einheit bildet.

1.Preis Wettbewerb 2019
Auftraggeber: Zweckverband Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth
Standort: Mödlareuth
Leistungsphasen: 2-8
Größe: 2.112 m² BGF
Leistungszeitraum: 2021 -2025

Der Baukörper fügt sich selbstverständlich in die umgebende Landschaft ein und nimmt zugleich eine klare räumliche Haltung ein. Seine Hauptausrichtung fokussiert über ein großformatiges Panoramafenster den Blick auf die ehemalige Grenzanlage mit Mauerfragmenten und Wachtürmen. Der Ausstellungsbereich liegt unmittelbar hinter dieser Öffnung als bewusst gesetzte räumliche Konfrontation zwischen Innenraum und historischer Realität.

Grundriss EG o.M.

Konstruktiv und gestalterisch präsentiert sich das Museum als Holzbau mit einer gefalteten Dachlandschaft, die zeltartig aus der Topografie herauswächst. Die Dachfaltung generiert nicht nur den überhöhten Raum der Hauptausstellung im Bereich des Panoramafensters, sondern formt zugleich eine spannungsvolle Eingangssituation, die den Besucher intuitiv in das Gebäude hineinführt.

Im Inneren gelangt man über ein räumlich klar gefasstes, zurückhaltend gestaltetes Foyer in den Ausstellungsbereich. Die Dachfaltung und das Panoramafenster prägen hier maßgeblich den Raumeindruck und verleihen der Hauptausstellung eine eindrückliche räumliche Tiefe. Eine offene Freitreppe führt in die galerieartigen Bereiche der Sonderausstellung. Im Obergeschoss sind ergänzend die Räume der Museumsverwaltung angeordnet, während im Erdgeschoss ein kleines Besucher-Café den Rundgang abrundet.

Die Fassade ist aus dunkel geölter Lärche ausgeführt. Ein Material, das in der Region traditionell für Wirtschaftsgebäude und Scheunen Verwendung findet. In dieser Typologie verankert, übersetzt das Museum die lokale Bautradition in eine zeitgenössische architektonische Sprache. Die extensive, begrünte Dachlandschaft tritt in einen subtilen Dialog mit dem ansteigenden Grün der umliegenden Landschaft und verstärkt die landschaftliche Einbindung des Bauwerks.

© Fotografien: Werner Huthmacher